{"id":330,"date":"2006-02-07T18:34:48","date_gmt":"2006-02-07T17:34:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.michi-endemann.at\/mep\/?p=330"},"modified":"2006-02-07T18:34:48","modified_gmt":"2006-02-07T17:34:48","slug":"gibt-es-eine-weltoeffentlichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.michi-endemann.at\/blog\/2006\/02\/07\/gibt-es-eine-weltoeffentlichkeit\/","title":{"rendered":"Gibt es eine Welt\u00f6ffentlichkeit?"},"content":{"rendered":"<p>\u00dcbertrag aus Kleablogtwodaynet Dienstag, 7. Februar 2006<br \/>\nGibt es eine Welt\u00f6ffentlichkeit?<br \/>\nEine Begriffsuche in Lexika ergibt eine multiple Verwendung des Begriffes, keine eindeutig zuordenbare Definition oder Begriffsherleitung.<br \/>\n(Wikipedia 6% Relevanz engl., 1% Relevanz dt., Duden \u2013 ein Artikel, Brockhaus &#8211; 38 Treffer). Der Begriff &#8222;Welt\u00f6ffentlichkeit\u201c (engl. the world public) ist ein Kunstwort und setzt sich aus \u201eWelt\u201c und &#8222;\u00d6ffentlichkeit\u201c zusammen.<\/p>\n<p>\u00d6FFENTLICHKEIT<br \/>\nDer Begriff \u201e\u00d6ffentlichkeit\u201c ist komplex und beinhaltet viele Perspektiven.<br \/>\nAusgehend von episodischen \u00d6ffentlichkeiten wird durch Globalisierung und Internet eine \u201eWelt\u00f6ffentlichkeit\u201c scheinbar m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Griechenland und das 18. Jahrhundert<br \/>\nIn Griechenland war der Marktplatz Austauschmedium f\u00fcr die politische \u00d6ffentlichkeit. Geschichtlich geht der Begriff auf das 18. Jahrhundert<br \/>\nzur\u00fcck, auf die Entwicklung der franz\u00f6sischen Revolution und der Aufkl\u00e4rung. Das Volk partizipiert am Staat, legitimiert damit die Regierung und diskutiert im \u201e\u00f6ffentlichen (politischen) Raum.<br \/>\nEs entstehen Medien, die \u00f6ffentliche Meinung transportieren (ver\u00f6ffentlichen) und Raum f\u00fcr Austausch bereitstellen.<br \/>\nIm 18. Jahrhundert vorwiegend regional und national, in der heutigen Zeit durch Massenmedien international. \u00d6ffentlichkeit umfasst alle Bereiche des Lebens und je nach Sichtweise lassen sich unendlich viele \u00d6ffentlichkeiten definieren.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeit ist nicht eindimensional<br \/>\nDie drei Ebenen (Episodische\/Encounter, Themen \/Veranstaltung, Medien\/Publikum) sind miteinander verkn\u00fcpft, haben \u00dcberg\u00e4nge und Querverbindungen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsbegriff in der PR<br \/>\nBei einer PR-Veranstaltung (Themen\u00f6ffentlichkeit) ergeben sich episodische \u00d6ffentlichkeiten genauso wie Medien\u00f6ffentlichkeiten wenn \u00fcber diese<br \/>\nVeranstaltung berichtet wird. Die Medienebene kann regional, national und international gesehen werden, je nach Thema.<\/p>\n<p>In Organisationen z.B. kann man \u00d6ffentlichkeit mit einem System von Meinungsm\u00e4rkten beschreiben. Sie sind miteinander verkn\u00fcpft und vernetzt<br \/>\nund gehen durch alle Ebenen &#8211; (Personalmarkt \u2013 die erste \u00d6ffentlichkeit sind die Mitarbeiter, politischer Meinungsmarkt, Kapitalmarkt, Absatzmarkt). Die Meinungsm\u00e4rkte flie\u00dfen in den \u00f6ffentlichen Meinungsmarkt ein, wie weitreichend, im Sinne von global oder national,<br \/>\nh\u00e4ngt sehr vom jeweiligen Unternehmen und den Themen ab. Es lassen sich so erste grobe Zielgruppeneinteilung herstellen und \u00d6ffentlichkeiten f\u00fcr das Wirken der PR definieren.<\/p>\n<p>Die \u00d6ffentlichkeit als Gebilde<br \/>\n\u00d6ffentlichkeit wird in Wissenschaftstheorien als Ganzes gesehen, als Gebilde. Habermas (1992) definiert es als Netzwerk, Gerhards (1998) als Kommunikationsforum,<br \/>\nLuhmann (1990) als Spiegel der Gesellschaft, Neidhardt (1994) als Kommunikationssystem mit Sammel- und Weitergabefunktion und Komb\u00fcchen (2005, PR Skript) aus<br \/>\nSicht der Personen und der M\u00f6glichkeiten der Kommunikation.<\/p>\n<p>Das Gebilde \u00d6ffentlichkeit bleibt diffus, das themen- und ereignisabh\u00e4ngig, situationsabh\u00e4ngig und kommunikationsabh\u00e4ngig ist.<br \/>\n\u00d6ffentlichkeit ist fragmentiert und pluralistisch.<\/p>\n<p>DIE WELT<br \/>\n\u201eWer oder was ist die Welt?\u201c Die Frage deutet schon darauf hin: Auch der Begriff \u201eWelt\u201c ist vielschichtig. Planet Erde, Orbis terrarum \u2013 oder:<br \/>\nDie Welt ist die Gesamtheit der Menschen die darauf leben \u2013 the people of the world.<br \/>\nF\u00fcr jeden ist die Welt etwas Anderes und wir sehen sie so wie wir sie sehen wollen. Ein beliebiges Naturvolk wird seine Welt anders beschreiben<br \/>\nals ein Europ\u00e4er. Trotzdem haben sie Gemeinsamkeiten \u2013 zuallererst ist das Weltbild sehr regional und kann sich, im Falle eines Europ\u00e4ers global ausdehnen.<br \/>\nIm Alltag werden regionale Weltbilder vorherrschen, da sie zum \u00dcberleben notwendig sind. Je globaler man denkt, desto fiktiver wird es.<\/p>\n<p>Es gibt viele \u201eWelten\u201c \u2013 auch der Weltbegriff ist fragmentiert<br \/>\nFamilien oder Organisationen werden oft als \u201ekleine Welt\u201c beschrieben, gemeint ist hier wohl eher eine gemeinsame Identit\u00e4t.<br \/>\nMedienwelten sind abh\u00e4ngig von \u00e4u\u00dferen Bedingungen wie Sprache, Zugang zu Medien oder auch Internet usw. Zum Internet z.B.,<br \/>\ndem \u201eMassen\u201cmedium unserer Zeit, haben nur etwa 10% der Weltbev\u00f6lkerung Zugang, und das in einigen Staaten nicht unzensuriert.<br \/>\nEine weitere Einschr\u00e4nkung ist Sprache &#8211; Englisch ist bei weitem nicht \u201eWelt\u201csprache.<\/p>\n<p>WELT\u00d6FFENTLICHKEIT \u2013 VERSUCH EINER SYNTHESE<br \/>\nWerden beide Begriffe zusammengef\u00fchrt entsteht der Begriff Welt\u00f6ffentlichkeit. Aus den Theorien zu \u00d6ffentlichkeit geht hervor, dass es so etwas<br \/>\nwie eine einzige \u00d6ffentlichkeit nicht gibt, und die Welt entweder als Ganzes (alle Menschen) gesehen werden kann oder als Weltbegriff ebenfalls fragmentiert ist.<br \/>\nDaher k\u00f6nnen immer nur Teile von Welten an Teilen von \u00d6ffentlichkeiten teilhaben. Diese Teil-\u00d6ffentlichkeiten nehmen einander auch nur zum Teil wahr.<\/p>\n<p>Begriffe wie Weltwirtschaft, Weltliteratur, Weltpolitik, &#8211; Welt\u00f6ffentlichkeit suggerieren globale Einheitlichkeit. Alleine die fiktive M\u00f6glichkeit an einer<br \/>\nWelt\u00f6ffentlichkeit teilzunehmen macht noch keine \u00d6ffentlichkeit, das ist Hypothese.<\/p>\n<p>Weltereignisse als Ansatz f\u00fcr eine Welt\u00f6ffentlichkeit?<br \/>\nHypothetisch sind daher auch Ans\u00e4tze Kriterien zum Entstehen einer Welt\u00f6ffentlichkeit zu definieren. Auch sie erfassen nur Teilbereiche<br \/>\nwie z.B. Gerhards, der \u00c4hnlichkeiten zwischen gemeinsamen \u00d6ffentlichkeiten mit Kommunikationsverdichtungen sieht \u2013 als Medienwelt\u00f6ffentlichkeit.<\/p>\n<p>Weltereignisse schaffen keine Welt\u00f6ffentlichkeit sondern ziehen nur zeitweilige Aufmerksamkeit vieler Interessierter auf sich.<\/p>\n<p>In Konflikten, Krisen (z.B. 11.September) und auch bei Sportveranstaltungen wie Olympia werden Themen in dem Medien<br \/>\nabgebildet und diskutiert.<br \/>\nEs bildet sich ein zuschauendes Publikum, ein zeitweiliger Zusammenschluss nationaler \u00d6ffentlichkeiten. Trotzdem gibt es sicher eine Mehrheit der<br \/>\nWeltbev\u00f6lkerung die daran nicht teilnimmt, entweder weil sie keinen Zugang hat oder nicht interessiert ist weil es nicht in \u201eihre Welt\u201c passt.<\/p>\n<p>Das Internet als Ansatz f\u00fcr Welt\u00f6ffentlichkeit?<br \/>\nDas Internet bietet ein Informationsangebot und bietet Medien zur Kommunikation. Informationen k\u00f6nnen beliebig oft und zu jeder Zeit abgerufen werden,<br \/>\nwenn man Zugang hat. Auch hier kann man nicht von Welt\u00f6ffentlichkeit sprechen, da s.o. nur 10% der Weltbev\u00f6lkerung \u00fcberhaupt Zugang haben.<br \/>\nDurch die nichthierarchische Struktur des Internets wird es allerdings erm\u00f6glicht in allen Ebenen der \u00d6ffentlichkeit zu diskutieren.<\/p>\n<p>Wie unterschiedlich der Begriff in der Praxis verwendet wird zeigen nachfolgende Beispiele:<\/p>\n<p>1) ULi pr\u00e4sentiert den M1697 der Welt\u00f6ffentlichkeit (Update)<br \/>\nHier ist mit der \u201eWelt\u00f6ffentlichkeit\u201c eine Produktpr\u00e4sentation im Fachbereich Computer gemeint,<br \/>\ndie Teil\u00f6ffentlichkeit \u201eComputerinteressierte\u201c angesprochen, in Deutsch.<br \/>\n2) Papst-Wahl polarisiert die Welt\u00f6ffentlichkeit<br \/>\nHier sind mehrere \u00d6ffentlichkeiten involviert &#8211; Weltkirchenrat, Bush, nichtchristliche Religionsgemeinschaften, Frauengemeinschaft.<br \/>\nBerichte sind \u00fcberregional und in vielen Sprachen.<br \/>\n3) www.qraft.de: Dies ist unsere Repraesentation gegenueber der Weltoeffentlichkeit<br \/>\nEine der vielen Internetpr\u00e4senzen. Hier wird das Internet als Welt\u00f6ffentlichkeit angesehen.<br \/>\n4) Gro\u00dfe Aufmerksamkeit der Welt\u00f6ffentlichkeit f\u00fcr Vogelgrippe<br \/>\nDieses Thema findet in vielen Medien erh\u00f6hte Aufmerksamkeit (Kommunikationsverdichtung nach Gerhards).<br \/>\nEin globales Thema, wenn auch wieder mit Einschr\u00e4nkungen Medienzugang, nationale F\u00e4rbungen, Wichtigkeit (was sagt z.B. Australien?).<\/p>\n<p>FAZIT<br \/>\nEs gibt keine Welt\u00f6ffentlichkeit an sich, der Begriff ist aus zwei in sich fragmentierten und diffusen Begriffen zusammengesetzt<br \/>\nund wird genauso diffus und fragmentiert verwendet.<\/p>\n<p>(c)2005 M Endemann, PRplus Fernstudium Aufgabe eines Studienbriefes<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcbertrag aus Kleablogtwodaynet Dienstag, 7. Februar 2006 Gibt es eine Welt\u00f6ffentlichkeit? 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