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Biologie vs Biologismus

Biologie vs Biologismus – Vortragsserie zum Beitrag der Lebenswissenschaften zu einem rationalen Weltbild – Wiener Urania 21. April 2005 May 17. 2005

Die Referate spannen den Bogen von den Anfängen der Volksbildung bis heute – von der Zoologie über Wissenschaftstheorie, Anthropologie bis zur Molekularbiologie. Die Geschichte der Biologie und die Wiener Volksbildung
In der Einleitung umriss Ferdinand Starmühlner, Biologe, die Geschichte der biologischen Wissenschaft in Wien, die vorerst ohne philosophische Fragestellungen rein deskriptiv war. Erst mit Rupert Riedl wurde die Theoretische Biologie eingerichtet. Schon damals waren die Bemühungen da, biologisches Wissen der Bevölkerung näher zu bringen. Demonstrationen in der Zoologie waren relativ einfach, das Fernsehen zeigte erste Filme, als Beispiel sei hier die Serie von Otto König genannt. Die Wiener Urania bemüht sich bis heute Wissenschaft populär zu machen.

Die Rolle der Biologie als Ideologie
Karl Edlinger, Naturhistorisches Museum Wien, sprach über den Trend in Metaphern zu sprechen, in Biologismen oder Physikalismen. Im 18. Jhdt. wurde die künstliche Ente in Form einer Maschine gebraucht um die Natur zu erklären. Dies sei bis heute zum Beispiel in der Chemie und Physik so üblich. Er zitierte aus dem Brockhaus, der Biologismus als unterschiedliche philosophische Betrachtungsweise sieht, die ein realistisches Abbild der Natur liefern müsse. Die Soziobiologie, heute ein eigenständiger Wissensschaftszweig sei aus erkenntnistheoretischen, soziologisch – geschichtsphilosophischen und ethischen Strömungen hervorgegangen.

Biologie als Leitwissenschaft – ohne Biologismus
Franz Wuketits, Inst. f. Wissenschaftstheorie und -forschung – Universität Wien, konfrontierte das Publikum mit einem Zitat von Lorenz „Ich finde in der Natur Beispiele für und gegen Alles“ und einer Aussage eines Prof. aus Göttingen „Es steckt sehr viel Natur in unserer Moral aber keine Moral in der Natur“. Die Biologie wird oft als Leitwissenschaft des 21. Jahrhunderts angesehen. Seiner Meinung nach aufgrund ihrer „Bedeutung für unser Welt- und Sachverständnis“. Als besonders zentral nannte er die Evolutionstheorie, die weitreichend auch Einfluss in philosophische Disziplinen der Erkenntnistheorie und Ethik hat. Hier wird seiner Meinung nach sehr oft zu unrecht der Biologismus-Vorwurf erhoben.

Anthropologische Rassenkunde im Licht molekularbiologischer Erkenntnisse
Harald Wilfing referierte über die Geschichte der Anthropologie im 19. Jahrhundert, bis hin zur negativsten Auslegung der „wissenschaftlich“ untermauerten Rassenpolitik der Nationalsozialisten. Erst in neuester Zeit konnten durch molekularbiologische Forschung gezeigt werden, dass die historische Rassenkunde überholt ist. Dazu ein treffendes Zitat von Luca Cavalli-Sforza, Humangenetiker, „Wir sind alle verschieden und doch gleich“. Zum Beispiel können zwei nach historischer Rassenkunde den Engländern zugeordneten Menschen genetisch verschiedener sein als ein „Engländer“ und ein „Südamerikaner“.

Vom Genotyp zum Phänotyp
Ivo Hochacker, Inst f Theoretische Chemie – Universität Wien, beschloss die Vortragserie mit aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnissen der Genomforschung. Die Sequenz alleine zu kennen erklärt noch nicht den Organismus. Auch wenn das menschliche Genom entschlüsselt ist, dh. die DNA-Sequenz bekannt ist, könne man nicht direkt auf das Äußere, dem Phänotyp schließen. Auch wenn sehr viel Sequenz auf der DNA gar nicht für ein bestimmtes Protein kodiert, weiß man noch lange nicht ob das wirklich „junk-DNA“ also „Unsinn-DNA“ ist. In einer Studie vom Januar 2005 zeigte sich, dass eben genau solche nichtkodierende Regionen auf der DNA für eine Zelldifferenzierung zuständig sein können.

Quelle: Wiener Urania und Mitschrift
Klea